Montag, 19. Mai 2014

Stille Tage in Clichy



„Während ich schreibe, bricht die Dunkelheit herein und die Leute gehen zum Abendessen. Ein grauer Tag ist zu Ende, wie man ihn in Paris oft erlebt. Als ich um den Häuserblock ging, um meine Gedanken an die frische Luft zu führen, wurde mir unwillkürlich wieder der enorme Gegensatz zwischen den beiden Städten – New York und Paris – bewusst. Es ist die gleiche trübe Stunde, der gleiche trübe Tag, und doch hat das Wort grau, das die Assoziation hervorrief, nur wenig gemeinsam mit jenem gris, das für die Ohren der Franzosen eine ganze Welt von Gedanken und Gefühlen einschließt.“

In dem Werk „Stille Tage in Clichy“ beschreibt Henry Miller aus der Sicht des amerikanischen Schriftstellers Joey dessen Leben im Paris der dreißiger Jahre. Zusammen mit seinem Mitbewohner und Kumpel Carl erlebt Joey wilde Nächte in Bars und Cafes oder in deren Wohnug, wo nie etwas Essbares zu finden ist, mit Wein und schönen Frauen.

„Ich zog mich rasch aus, wusch mir höflich den Schwanz und kroch unter die Decke. Das Bidet stad direkt neben dem Bett. Als sie ihre Waschungen beendet hatte, trocknete sie sich mit dem dünnen, fadenscheinigen Handtuch ab. Ich lehnte mich hinüber und spielte mit ihrem krausen Vlies, das noch etwas betaut war. Sie drängte mich ins Bett zurück, beugte sich über mich und tauchte mit ihrem warmen roten Mund rasch zu ihm hinunter. Ich steckte hr einen Finger hinein, um den Saft steigen zu lassen. Dann zog ich sie rasch auf mich und ließ ihn dabei bis zum Heft eindringen. Es war eine dieser Scheiden, die wie ein Handschuh passen. Ihre geschickten Kontraktionen brachten mich bald außer Atem. Die ganze Zeit ließ ihre Zunge an meinem Hals, meinen Achselhöhlen und meinen Ohrläppchen spielen. Mit beiden Händen wippte ich sie auf und ab und ließ ihr Becken rotieren. Schließlich sank sie stöhnend mit ihrem ganzen Gewicht auf mich. Ich rollte sie auf den Rücken, zog mir ihre Beine über die Schultern und legte tüchtig los. Ich dachte, sie würde gar nicht mehr aufhören, zu kommen – es strömte wie aus einem Gartenschlauch. Als ich mich von ihr löste, war mir, als sei meine Erektion eher noch stärker als vorher.“

Joey jagt einer Frau nach der anderen hinter her. Sei es Nys, die er in einem Cafe trifft, oder Mara-Marignan am Camps-Elysees. Es sind Abenteuer voll erstaunlicher Heiterkeit in denen Henry Miller das Paris der dreißiger Jahre sowie dessen lebendige und lebenslustige Atmosphäre beschwört und heroisiert, die er Jahrelang lebte und liebte, ehe der Ausbruch des zweiten Weltkrieges alles kaputt machte.

Henry Miller wurde am 26. Dezember 1891 in New York als Sohn deutscher Einwanderer geboren. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Wendekreis des Krebses“, „Wendekreis des Steinbocks“, „Sexus“, „Nexus“ und „Plexus“. Miller starb am 7. Juni 1980 in Pacific Palisades, Kalifornien.

Sonntag, 18. Mai 2014

Kaltblütig

Der Roman „Kaltblütig“ vom amerikanischen Schriftsteller Truman Capote aus dem Jahr 1966 handelt von der brutalen Ermordung der Familie Clutter. Es ist keine fiktive Geschichte, sondern die Nacherzählung eines Tatsächlichen Verbrechens. Capote erzählt anfangs über die Vorgeschichte der Morde, wie die Familie lebte.

Den Hauptteil des Romans nehmen die Ermittlungen ein, welche von dem KBI-Agenten (Kansas Bureau of Investigation) Al Dewey geleitet werden. Diese erweisen sich als mühsam und schwer, da die Ermittler kein Motiv für die Tat finden. Es vergehen Wochen ehe Dewey und sein Team auf die Spur der Täter, Perry Edward Smith und Richard Eugene Hickock, gelangt. Diese werden rasch gefasst und vor gerichtet gestellt.

Die Beiden sehen schnell ein, dass sie keine Chance haben. Sie halten den Richter, wie auch die Geschworenen für Voreingenommen und rechnen mit einem Schuldspruch mitsamt der Todesstrafe. So kommt es auch. Smith und Hickock werden für Schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt.

„Der Henker hustete – lüftete ungeduldig seinen Hut, setzte ihn wieder auf, eine Geste, die irgendwie an einen sich plusternden Truthahn erinnerte, dessen Halsfedern sich dann wieder glätten – und Hickock, von einem Begleiter angestoßen, ging die Stufen des Gerüsts hinauf. ‚Der Herr gibt, und der Herr nimmt Gesegnet sei der Name des Herrn‘, murmelte der Kaplan, während der Regen schneller auf das Dach pladderte, die Schlinge umgelegt und dem Gefangenen eine leichte schwarze Maske vor die Augen gebunden wurde. ‚Der Herr erbarme sich deiner Seele.‘ Die Falltür öffnete sich, und Hickock hing volle zwanzig Minuten vor aller Augen, bis der Gefängnisarzt endlich sagte: ‚Ich erkläre diesen Mann für tot.‘ Ein Leichenwagen, in dessen grellem Scheinwerferlicht Regentropfen glänzten, fuhr vor, und die Leiche wurde, mit einer Decke bedeckt, auf einer Bahre in den Wagen geschoben, der in der Dunkelheit verschwand.“

Truman Capote wurde am 30. September 1924 in New Orleans geboren und wuchs in den Südstaaten auf. 1948 erschien mit „Andere Stimmen, andere Stuben“ sein erster Roman. Capote starb 25. August 1984 in Los Angeles. Zu seinen wichtigsten Werken zählen vor allem die Romane „Frühstück bei Tiffany“, „Wenn die Hunde bellen“ und „Sommerdiebe“.