„Während ich schreibe, bricht die Dunkelheit herein und die
Leute gehen zum Abendessen. Ein grauer Tag ist zu Ende, wie man ihn in Paris
oft erlebt. Als ich um den Häuserblock ging, um meine Gedanken an die frische
Luft zu führen, wurde mir unwillkürlich wieder der enorme Gegensatz zwischen
den beiden Städten – New York und Paris – bewusst. Es ist die gleiche trübe
Stunde, der gleiche trübe Tag, und doch hat das Wort grau, das die Assoziation
hervorrief, nur wenig gemeinsam mit jenem gris, das für die Ohren der Franzosen
eine ganze Welt von Gedanken und Gefühlen einschließt.“
In dem Werk „Stille Tage in Clichy“ beschreibt Henry Miller
aus der Sicht des amerikanischen Schriftstellers Joey dessen Leben im Paris der
dreißiger Jahre. Zusammen mit seinem Mitbewohner und Kumpel Carl erlebt Joey
wilde Nächte in Bars und Cafes oder in deren Wohnug, wo nie etwas Essbares zu
finden ist, mit Wein und schönen Frauen.
„Ich zog mich rasch aus, wusch mir höflich den Schwanz und
kroch unter die Decke. Das Bidet stad direkt neben dem Bett. Als sie ihre
Waschungen beendet hatte, trocknete sie sich mit dem dünnen, fadenscheinigen
Handtuch ab. Ich lehnte mich hinüber und spielte mit ihrem krausen Vlies, das
noch etwas betaut war. Sie drängte mich ins Bett zurück, beugte sich über mich
und tauchte mit ihrem warmen roten Mund rasch zu ihm hinunter. Ich steckte hr
einen Finger hinein, um den Saft steigen zu lassen. Dann zog ich sie rasch auf
mich und ließ ihn dabei bis zum Heft eindringen. Es war eine dieser Scheiden,
die wie ein Handschuh passen. Ihre geschickten Kontraktionen brachten mich bald
außer Atem. Die ganze Zeit ließ ihre Zunge an meinem Hals, meinen Achselhöhlen
und meinen Ohrläppchen spielen. Mit beiden Händen wippte ich sie auf und ab und
ließ ihr Becken rotieren. Schließlich sank sie stöhnend mit ihrem ganzen
Gewicht auf mich. Ich rollte sie auf den Rücken, zog mir ihre Beine über die
Schultern und legte tüchtig los. Ich dachte, sie würde gar nicht mehr aufhören,
zu kommen – es strömte wie aus einem Gartenschlauch. Als ich mich von ihr
löste, war mir, als sei meine Erektion eher noch stärker als vorher.“
Joey jagt einer Frau nach der anderen hinter her. Sei es
Nys, die er in einem Cafe trifft, oder Mara-Marignan am Camps-Elysees. Es sind
Abenteuer voll erstaunlicher Heiterkeit in denen Henry Miller das Paris der
dreißiger Jahre sowie dessen lebendige und lebenslustige Atmosphäre beschwört
und heroisiert, die er Jahrelang lebte und liebte, ehe der Ausbruch des zweiten
Weltkrieges alles kaputt machte.
Henry Miller wurde am 26. Dezember 1891 in New York als Sohn
deutscher Einwanderer geboren. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Wendekreis
des Krebses“, „Wendekreis des Steinbocks“, „Sexus“, „Nexus“ und „Plexus“.
Miller starb am 7. Juni 1980 in Pacific Palisades, Kalifornien.