Sonntag, 29. Juni 2014

Wem die Stunde schlägt

Der Roman „Wem die Stunde schlägt“ von Ernest Hemingway handelt von dem Amerikaner Robert Jordan, der in den Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg kämpft. Er ist immer vorne an der Front, bzw. hinter der Front im Feindesland. Zu seinen Aufgaben gehört der Partisanenkampf in dem er Züge oder Brücken sprengt und dem Gegner das Leben schwer macht.

Im Roman wird eine Episode von drei Tagen im Leben von Robert Jordan erzählt. In der Nähe der Stadt Segovia soll der Amerikaner zusammen mit lokalen Partisanen im Vorfeld einer offensive gegen die Faschisten eine Brücke sprengen.

1943 wurde der Roman mit Gary Cooper, Ingrid Bergman, Akim Tamiroff und Katina Paxinou unter der Regie von Sam Wood verfilmt. Der Film erhielt einen Oscar in der Kategorie Beste Nebendarstellerin und war in acht weiteren Kategorien nominiert.

Sonntag, 15. Juni 2014

Zeit der Reife

„Mitten auf der Rue Vercingetorix faßte ein großer Typ Mathieu beim Arm; ein Polizist ging auf dem anderen Bürgersteig auf und ab.
‚Gib mir was, Chef; ich habe Hunger.‘
Er hatte engstehende Augen und dicke Lippen, er roch nach Alkohol.
‚Hast du nicht vielleicht eher Durst?‘ fragte Mathieu.
‚Ich schwör`s dir Kumpel‘, sagte der Kerl mühsam, ‚ich schwör`s dir.‘
Mathieu hatte ein 100-Sous-Stück in der Tasche gefunden:
‚Das ist mir übrigens scheißegal‘, sagte er, ‚das hab ich nur so gesagt.‘
Er gab ihm die hundert Sous.“, fängt Jean-Paul Sartre in seinem Roman „Zeit der Reife“, dem ersten Band des Romanzyklus „Wege der Freiheit“, an.

Mathieu, der viele Züge von Sartre hat, steht in der Frage gefangen, ob er das Kind seiner Geliebten abtreiben oder behalten und die werdende Mutter heiraten soll. Er weiß es nicht. Auch wenn Mathieu beschlossen hatte, sich an nichts und niemanden zu binden, sodass er jederzeit frei und verfügbar leben kann, ist diese Entscheidung keine leichte für ihn.

Um den Protagonisten kreisen einige wenige Figuren herum, die Sartre in seiner Umgabung fand. Da ist zum einen das exzentrische Geschwisterpaar Boris und Ivich aus Weißrussland, die alternde drogensüchtige Sängerin Lola, der sadomasochistische homosexuelle Daniel, der engagierte Kommunist Brunet und die selbstlose Jüdin Sarah.

Jean-Paul Sartre kam am 21. Juni 1905 in Paris zur Welt. Er galt als einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus und zu deren wichtigsten Vertretern. Seine Theaterstücke, Romane, Erzählungen und Essays machten ihn weltberühmt. 1964 lehnte Sartre den Nobelpreis für Literatur ab. Er starb am 15. April 1980 in Paris.

Sonntag, 1. Juni 2014

Fear and Loathing in Las Vegas

„Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, einen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Upper, Downer, Heuler, Lacher … sowie einen Liter Tequila, eine Flasche Rum, eine Kiste Bier, einen halben Liter unverdünnten Ether und zwei Dutzend Poppers. Den ganzen Kram hatten wir in der Nacht zuvor zusammengerafft, auf einer wilden Höllenfahrt durch den gesamten Los-Angeles-Bezirk; von Topanga bis Watts griffen wir uns alles, dessen wir habhaft werden konnten. Nicht, dass wir das ganze Zeug für den Trip wirklich brauchten, aber wenn man sich einmal darauf einläßt, eine ernsthafte Drogen-Sammlung anzulegen, neigt man eben dazu, extrem zu werden.“

Der Sportjournalist Raoul Duke soll über das Off-Road-Rennen Mint-400 in der Wüste bei Las Vegas berichten. Zusammen mit einem Freund, dem Anwalt Dr. Gonzo, macht sich dieser in einem roten Kabrio auf den Weg. Im Gepäck haben die Beiden jede nur erdenkliche Droge und natürlich jede Menge Alkohol. Anstatt über das Rennen zu berichten, geht Raoul Duke in einem massiven Drogenrausch dem Amerikanischen Traum nach.

„Fear and Loathing in Las Vegas“ ist eine radikale Abrechnung mit dem „American Way of Life“ und auch der naiven Hippi-Bewegung. Es ist ein Klassiker der Literatur, der wie alle anderen Werke von Hunter S. Thompson, ins Genre des Gonzo zu rechnen ist.

Hunter S. Thompson, Schriftsteller und Journalist, war einer der größten Ikonen der Hippie-Bewegung. Als einer der bekanntesten Vertreter des New Journalism neben Tom Wolfe, gehörte Thompson zu den wichtigsten Journalisten des zwanzigsten Jahrhunderts. Hunter Stockton Thompson wurde am 18. Juli 1937 in Louisville, Kentucky geboren. Nachdem er aus dem Armeedienst ausschied, begann er Ende der 50er Jahre als Sportjournalist zu arbeiten. Später war Thompson als Südamerika-Korrespondent in Peru, Kolumbien und Brasilien unterwegs. Ende der 60er gehörte er zu den ersten Autoren des Rolling Stone Magazins und widmete sich ab den 70er Jahren verstärkt der Politik zu.

Thompsons erstes Buch, „Hell`s Angels“, erschien 1967 und beschäftigte sich als erster mit den Motorradgangs Kaliforniens, in dem er ein Jahr lang mit den Hells Angels unterwegs war. Weitere seiner Werke sind unter anderem „Fear and Loathing in Las Vegas”, Better than Sex“, „The Rum Diary. A Novel“, „Kingdom of Fear” und „Der Fluch es Lono”.

„Die Footballsaison ist vorbei
Keine Spiele mehr. Keine Bomben mehr. Kein Laufen mehr. Kein Spaß mehr. Kein Schwimmen mehr. 67. Das ist 17 Jahre nach 50. 17 mehr als ich brauchte oder wollte. Langweilig. Ich bin nur noch gehässig. Kein Spaß - für niemanden. 67. Du wirst gierig. Benimm dich deinem hohen Alter entsprechend. Entspann' dich - es wird nicht wehtun“, schrieb Hunter S. Thompson in seinem Abschiedsbrief. Am 20. Februar 2005 entschied sich der Autor für einen Freitod, in dem er sich selbst erschoss.

Dem Wunsch Thompsons zu Folge wurde seine Asche per Rakete in alle Winde zerstreut. Als Kanonier betätigte sich sein langjähriger Freund Johnny Depp, der von Thompson immer nur als „Colonel“ bezeichnet wurde. Zusätzlich verfügte er, dass die Gäste auf seiner Trauerfeier mit Gummipuppen tanzen sollten.

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

„In dem ich die Feder ergreife, um in völliger Muße und Zurückgezogenheit – gesund übrigens, wenn auch müde, sehr müde (so daß ich wohl nur in kleinen Etappen und nur unter häufigem Ausruhen werde vorwärtsschreiten können), indem ich mich also anschicke, meine Geständnisse in der sauberen und gefälligen Handschrift, die mir eigen ist, dem geduldigen Papier anzuvertrauen, beschleicht mich das flüchtige Bedenken, ob ich diesem geistigen Unternehmen nach Vorbildung und Schule denn auch gewachsen bin“, beginn Thomas Mann seinen Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, erschienen 1954 im S. Fischer Verlag.

Felix Krull, Sohn eines Fabrikanten, wuchs in Vergnügungssucht, Verschwendung und Oberflächlichkeit in einer Kleinstadt im Rheingau auf. Da die Geschäfte des Vaters moralisch und auch finanziell sehr fragwürdig sind, wird die Familie im Ort gemieden. Dies hat auch Auswirkungen auf den jungen Felix Krull. Er bleibt ohne Freunde, was ihn wenig stört, da dieser sich ohnehin für etwas Besseres hält.

Felix Krull zeigt früh eine Begabung für Rollenspiele, die er sehr liebt und begehrt. Etwas vorzutäuschen, das er nicht ist, begeistert den Jungen unglaublich. Dies treibt Felix Krumm soweit, dass er anfängt auch Krankheiten zu simulieren, die in einer derartigen Perfektion vorgetragen werden, dass selbst der Hausarzt ihm nicht auf die schliche kommt.

Im Alter von 16 Jahren geht Felix eine mehrjährige sexuelle Beziehung mit seinem Zimmermädchen Genovefa ein und kommt dadurch zu der Überzeugung, dass er zwar nicht als Schüler, jedoch als Liebhaber über eine ganz außerordentliche Begabung verfüge. Dies weist den jungen Krumm den Weg zu seinem späteren Leben.

Nachdem der Vater pleite geht, verlässt Felix Krumm seine Heimat und erhält dank seinem Paten eine Anstellung in einem Pariser Luxushotel. Dort studiert er das Leben der oberen Gesellschaftsschicht. Noch ist ihm die Tür zu dieser verwehrt, jedoch ist Felix fest entschlossen in diese hineinzugelangen. Der junge Krumm ist nicht nur von den eleganten Menschen beeindruckt, sondern vor allem auch von ihren Luxusgütern.

Im späteren Verlauf wird Felix Krull zum Liftboy ernannt. In dieser Funktion lernt er die wohlhabende und schöne Diane Philibert kennen. Diese verführt Felix und geht mit ihr eine Liebesbeziehung ein. Jedoch interessiert ihn nicht nur die wunderschöne Dame, sondern auch ihr Reichtum, von dem sich Felix bedient.

Felix Krulls aufstieg geht weiter. Zuerst wird er Kellner und schließlich Oberkellner. Dank den Diebstählen kann sich der junge Krull einen dandyhaften Lebensstil leisten.


Paul Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck als Sohn des Kaufmanns Thomas Johann Heinrich Mann und Julia da Silva Mann geboren. Er gilt als einer der größten deutschen Schriftsteller. Er wuchs zusammen mit vier Geschwistern auf. Sein älterer Bruder, Luiz Heinrich Mann war ebenfalls Schriftsteller. Der zweite Bruder von ihm war der um fünfzehn Jahre jüngere Karl Viktor Mann, der nicht als Schriftsteller tätig war. Seine beiden Schwestern, Julia Elisabeth Therese Löhr-Mann und Carla Auguste Olga Maria Mann, begingen beide Selbstmord.

Im Jahre 1891 starb sein Vater, der im Testament verfügt, dass sein Erbe verkauft und angelegt wird. An das Geld sollte Thomas Mann und seine Geschwister erst mit 21 Jahren heran kommen. Drei Jahre später bricht er die Schule ab und zieht nach München. Im selben Jahr veröffentlicht er seine erste Novelle in einer Zeitschrift.

Zwei Jahre später wird  er 21 und erhält monatlich 180 Goldmark aus dem Vermögen seines Vaters, was ihm ein Leben als freier Schriftsteller ermöglicht. 1900 wird er zum Wehrdienst eingezogen, allerdings wird er schon nach drei Monaten wieder wegen Untauglichkeit entlassen. Ein Jahr später veröffentlicht er dann sein erstes Buch (Budenbrooks), welches ihn sehr bekannt macht.

1904 lernte er Katharina Pringsheim kennen, welche nur Katia genannt wird und heiratet diese am 11.2.1905. Aus dieser Ehe gehen alle seine sechs Kinder, Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael, hervor. Alle von ihnen, außer Michael, waren Schriftsteller. Von seinen sechs Kindern begingen zwei Selbstmord, Klaus und Michael. Im Jahre 1912 erkrankte Katia Mann an Tuberkulose und wurde in ein Sanatorium eingeliefert, wo sie von ihrem Mann besucht wurde. Thomas Mann war von der Atmosphäre angetan, sodass er durch diesen Ort zu seinem Roman „Der Zauberberg“ inspiriert wurde, welcher allerdings erst 1924 erschien.

Nachdem ersten Weltkrieg und der aus dem hervorgegangene Antisemitismus, vor allem durch die NSDAP, beschloss er 1922 in die liberale Partei Deutsche Demokratische Partei einzutreten. 1929 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Vier Jahre später kam die Machtergreifung Hitlers und Thomas Mann emigrierte ins Ausland. Zuerst nach Frankreich und erhielt später die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft, dass ihn selbst wunderte. Nach dem Anschluss Österreich an Deutschland im Jahre 1938 ging Thomas Mann mit seiner Familie in die USA, wo er während des zweiten Weltkrieges die Radiosendung „deutsche Hörer“ moderierte, welche in den Staaten aufgenommen und von England aus nach Deutschland übertragen wurde. Erst 1952 kehrte Thomas Mann nach Europa zurück und lebte bis zu seinem Tod am 12. August 1955 in der Schweiz.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen unteranderem „Buddenbrooks“, „Königliche Hoheit“, „Der Zauberberg“ und „Lotte in Weimar“.