„Mitten auf der Rue Vercingetorix faßte ein großer Typ
Mathieu beim Arm; ein Polizist ging auf dem anderen Bürgersteig auf und ab.
‚Gib mir was, Chef; ich habe Hunger.‘
Er hatte engstehende Augen und dicke Lippen, er roch nach
Alkohol.
‚Hast du nicht vielleicht eher Durst?‘ fragte Mathieu.
‚Ich schwör`s dir Kumpel‘, sagte der Kerl mühsam, ‚ich
schwör`s dir.‘
Mathieu hatte ein 100-Sous-Stück in der Tasche gefunden:
‚Das ist mir übrigens scheißegal‘, sagte er, ‚das hab ich
nur so gesagt.‘
Er gab ihm die hundert Sous.“, fängt Jean-Paul Sartre in
seinem Roman „Zeit der Reife“, dem ersten Band des Romanzyklus „Wege der
Freiheit“, an.
Mathieu, der viele Züge von Sartre hat, steht in der Frage
gefangen, ob er das Kind seiner Geliebten abtreiben oder behalten und die
werdende Mutter heiraten soll. Er weiß es nicht. Auch wenn Mathieu beschlossen
hatte, sich an nichts und niemanden zu binden, sodass er jederzeit frei und
verfügbar leben kann, ist diese Entscheidung keine leichte für ihn.
Um den Protagonisten kreisen einige wenige Figuren herum,
die Sartre in seiner Umgabung fand. Da ist zum einen das exzentrische
Geschwisterpaar Boris und Ivich aus Weißrussland, die alternde drogensüchtige
Sängerin Lola, der sadomasochistische homosexuelle Daniel, der engagierte
Kommunist Brunet und die selbstlose Jüdin Sarah.
Jean-Paul Sartre kam am 21. Juni 1905 in Paris zur Welt. Er
galt als einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus und zu deren
wichtigsten Vertretern. Seine Theaterstücke, Romane, Erzählungen und Essays
machten ihn weltberühmt. 1964 lehnte Sartre den Nobelpreis für Literatur ab. Er
starb am 15. April 1980 in Paris.
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