„In dem ich die Feder ergreife, um in völliger Muße und
Zurückgezogenheit – gesund übrigens, wenn auch müde, sehr müde (so daß ich wohl
nur in kleinen Etappen und nur unter häufigem Ausruhen werde vorwärtsschreiten
können), indem ich mich also anschicke, meine Geständnisse in der sauberen und
gefälligen Handschrift, die mir eigen ist, dem geduldigen Papier anzuvertrauen,
beschleicht mich das flüchtige Bedenken, ob ich diesem geistigen Unternehmen
nach Vorbildung und Schule denn auch gewachsen bin“, beginn Thomas Mann seinen
Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, erschienen 1954 im S. Fischer
Verlag.
Felix Krull, Sohn eines Fabrikanten, wuchs in Vergnügungssucht,
Verschwendung und Oberflächlichkeit in einer Kleinstadt im Rheingau auf. Da die
Geschäfte des Vaters moralisch und auch finanziell sehr fragwürdig sind, wird
die Familie im Ort gemieden. Dies hat auch Auswirkungen auf den jungen Felix
Krull. Er bleibt ohne Freunde, was ihn wenig stört, da dieser sich ohnehin für
etwas Besseres hält.
Felix Krull zeigt früh eine Begabung für Rollenspiele, die
er sehr liebt und begehrt. Etwas vorzutäuschen, das er nicht ist, begeistert
den Jungen unglaublich. Dies treibt Felix Krumm soweit, dass er anfängt auch
Krankheiten zu simulieren, die in einer derartigen Perfektion vorgetragen
werden, dass selbst der Hausarzt ihm nicht auf die schliche kommt.
Im Alter von 16 Jahren geht Felix eine mehrjährige sexuelle
Beziehung mit seinem Zimmermädchen Genovefa ein und kommt dadurch zu der
Überzeugung, dass er zwar nicht als Schüler, jedoch als Liebhaber über eine
ganz außerordentliche Begabung verfüge. Dies weist den jungen Krumm den Weg zu
seinem späteren Leben.
Nachdem der Vater pleite geht, verlässt Felix Krumm seine
Heimat und erhält dank seinem Paten eine Anstellung in einem Pariser
Luxushotel. Dort studiert er das Leben der oberen Gesellschaftsschicht. Noch
ist ihm die Tür zu dieser verwehrt, jedoch ist Felix fest entschlossen in diese
hineinzugelangen. Der junge Krumm ist nicht nur von den eleganten Menschen
beeindruckt, sondern vor allem auch von ihren Luxusgütern.
Im späteren Verlauf wird Felix Krull zum Liftboy ernannt. In
dieser Funktion lernt er die wohlhabende und schöne Diane Philibert kennen.
Diese verführt Felix und geht mit ihr eine Liebesbeziehung ein. Jedoch
interessiert ihn nicht nur die wunderschöne Dame, sondern auch ihr Reichtum,
von dem sich Felix bedient.
Felix Krulls aufstieg geht weiter. Zuerst wird er Kellner
und schließlich Oberkellner. Dank den Diebstählen kann sich der junge Krull einen
dandyhaften Lebensstil leisten.
Paul Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck als Sohn des Kaufmanns
Thomas Johann Heinrich Mann und Julia da Silva Mann geboren. Er gilt als einer
der größten deutschen Schriftsteller. Er wuchs zusammen mit vier Geschwistern
auf. Sein älterer Bruder, Luiz Heinrich Mann war ebenfalls Schriftsteller. Der
zweite Bruder von ihm war der um fünfzehn Jahre jüngere Karl Viktor Mann, der
nicht als Schriftsteller tätig war. Seine beiden Schwestern, Julia Elisabeth
Therese Löhr-Mann und Carla Auguste Olga Maria Mann, begingen beide Selbstmord.
Im Jahre 1891 starb sein
Vater, der im Testament verfügt, dass sein Erbe verkauft und angelegt wird. An
das Geld sollte Thomas Mann und seine Geschwister erst mit 21 Jahren heran
kommen. Drei Jahre später bricht er die Schule ab und zieht nach München. Im
selben Jahr veröffentlicht er seine erste Novelle in einer Zeitschrift.
Zwei Jahre später wird er 21 und
erhält monatlich 180 Goldmark aus dem Vermögen seines Vaters, was ihm ein Leben
als freier Schriftsteller ermöglicht. 1900 wird er zum Wehrdienst eingezogen,
allerdings wird er schon nach drei Monaten wieder wegen Untauglichkeit
entlassen. Ein Jahr später veröffentlicht er dann sein erstes Buch
(Budenbrooks), welches ihn sehr bekannt macht.
1904 lernte er Katharina Pringsheim kennen, welche nur Katia genannt
wird und heiratet diese am 11.2.1905. Aus dieser Ehe gehen alle seine sechs
Kinder, Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael, hervor. Alle von
ihnen, außer Michael, waren Schriftsteller. Von seinen sechs Kindern begingen
zwei Selbstmord, Klaus und Michael. Im Jahre 1912 erkrankte Katia Mann an
Tuberkulose und wurde in ein Sanatorium eingeliefert, wo sie von ihrem Mann
besucht wurde. Thomas Mann war von der Atmosphäre angetan, sodass er durch
diesen Ort zu seinem Roman „Der Zauberberg“ inspiriert wurde, welcher
allerdings erst 1924 erschien.
Nachdem ersten Weltkrieg und der aus dem hervorgegangene Antisemitismus,
vor allem durch die NSDAP, beschloss er 1922 in die liberale Partei Deutsche
Demokratische Partei einzutreten. 1929 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Vier Jahre später kam die Machtergreifung Hitlers und Thomas Mann emigrierte
ins Ausland. Zuerst nach Frankreich und erhielt später die tschechoslowakische
Staatsbürgerschaft, dass ihn selbst wunderte. Nach dem Anschluss Österreich an
Deutschland im Jahre 1938 ging Thomas Mann mit seiner Familie in die USA, wo er
während des zweiten Weltkrieges die Radiosendung „deutsche Hörer“ moderierte,
welche in den Staaten aufgenommen und von England aus nach Deutschland
übertragen wurde. Erst 1952 kehrte Thomas Mann nach Europa zurück und lebte bis
zu seinem Tod am 12. August 1955 in der Schweiz.
Zu seinen wichtigsten Werken zählen unteranderem „Buddenbrooks“, „Königliche
Hoheit“, „Der Zauberberg“ und „Lotte in Weimar“.
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