Dienstag, 1. April 2014

Berlin Alexanderplatz



„Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei. Gestern hatte er noch hinten auf den Äckern Kartoffeln geharkt mit den andern, in Sträflingskleidung, jetzt ging er im gelben Sommermantel, sie harkten hinten, er war frei. Er ließ Elektrische auf Elektrische vorbeifahren, drückte den Rücken an die rote Mauer und ging nicht. Der Aufseher am Tor spazierte einige Male an ihm vorbei, zeigte im seine Bahn, er ging nicht. Der schreckliche Augenblick war gekommen (schrecklich, Franze, warum schrecklich?), die vier Jahre waren um. Die schwarzen eisernen Torflügel, die er seit einem Jahre mit wachsendem Widerwillen betrachtet hatte (Widerwillen, warum Widerwillen), waren hinter ihm geschlossen. Man setzte ihn wieder aus. Drin saßen de anderen, tischlerten, lackierten, sortierten, klebten, hatten noch zwei Jahre, fünf Jahre. Er stand an der Haltestelle“, beginnt Alfred Döblins Meisterwerk „Berlin Alexanderplatz“ über den entlassenen Totschlägers Franz Biberkopf. Neben „Ulysses“ von James Joyce und „Manhatten Transfer“ von John Dos Passos gehört dieser Roman zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur. Es beschreibt wunderbar das Berlin der zwanziger Jahre.

Franz Biberkopf nahm sich fest vor ehrlich zu bleiben und kein Verbrechen mehr zu begehen. Auch wenn der Start nach all den Jahren im Gefängnis und dank dem veränderten Stadtbild nicht leicht ist, will er unbedingt daran festhalten und setzt alles daran diesen Schwur treu zu bleiben. Jedoch ist dies leichter gesagt als getan. Immerhin braucht Fran Biberkopf Geld. Und so lässt er sich zu einem Einbruch überreden.

Bei diesem Verbrechen wird Franz Biberkopf übers Ohr gehauen. Man schmeißt ihn aus dem fahrenden Wagen und direkt vor ein anderes Auto. Hierbei verliert er einen Arm. Er kauft sich ein Eisernes Kreuz und täuscht eine Kriegsbeschädigung vor. Fortan bleibt Franz Biberkopf seinem Schwur nicht mehr treu und beginnt eine Tätigkeit als Zuhälter. Hierbei lernt er die Prostituierte Mieze kennen und es entsteht ein Verhältnis. Er nutzt sie immer wieder aus und nachdem sein alter Gaunerkollege diese ermordet kommt Franz Biberkopf zur Vernunft. Er schwör an ihrem Grab von nun an ehrlich zu sein.

Das Buch endet mit den Worten: „Es geht in die Freiheit, die Freiheit hinein, die alte Welt muß stürzen, wach auf, die Morgenluft. Und Schritt gefaßt und rechts und links und rechts und links, marschieren, marschieren, wir ziehen in den Krieg, es ziehen mit uns hundert Spielleute mit, sie trommeln und pfeifen, widebumm widebumm, dem einen gehts gerade, dem einen gehts krumm, der eine bleibt stehen, der andere fällt um, der eine rennt weiter, der andere liegt stumm, widebumm widebumm.“

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